Käufer mit millionenschwerer Börse erwünscht

par Olga Grimm-Weissert


 

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26. September 2012 

Handelsblatt

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Biennale des AntiquairesKäufer mit millionenschwerer Börse erwünscht

von Olga Grimm-Weissert

13.09.2012, 12:25 Uhr

Die 26. Antiquitäten-Biennale in Paris bietet erlesene Möbel, chinesische Tang-Skulptur, herausragende Stammeskunst, elegantes Art Déco und Gemälde der Klassischen Moderne. Allein zum Galadinner waren 1500 Gäste geladen.

 

Wandleuchter aus Bronze aus dem antiken Griechenland am Stand von Phoenix Ancient Art. Quelle: PHOENIX ANCIENT ART

ParisDer Präsident des Antiquitätenhändler-Verbands und Verantwortliche für die Organisation der Pariser Antiquitäten-Biennale (14. – 23.9.), Christian Deydier, kündigt seine Käufer-Zielgruppe klipp und  klar an: „Wir haben rund 400 Menschen eingeladen, darunter 100 aus China und Taiwan, die sich locker einen Ring für zehn Millionen Dollar leisten können.“ Der Sinologe Deydier holte persönlich den Franko-Belgier Bernard Arnault zu einem exklusiven Biennale-Rundgang ab. Arnault, Inhaber von LVMH, Dior usw., reichster Mann Frankreichs und viertreichster Mann der Welt, kam vor sämtlichen anderen eventuellen Käufern. Er versäumte das abendliche Spektakel, als die Soldaten der „Garde républicaine“, in Galauniform Spalier bildeten, um die Gäste – und zuletzt den Modezar Karl Lagerfeld – zu empfangen. „Kaiser Karl“ verdiente sich diese Ehre mit einem übersichtlichen Standplan, denn die „Biennale des Antiquaires“ gibt sich alle zwei Jahre ein neues Gesicht.

Mehrere Qualitätsstufen

Unter der zentralen Glaskuppel befinden sich – in Kreisanordnung – die Spitzenhändler bzw. die Organisatoren der Messe. Ziemlich weit ab vom Menschengedränge befinden sich die Erstaussteller oder weniger bekannten Galeristen im „Salon d’Honneur“ im ersten Stock. Unwillkürlich denkt man an das Theaterstück des österreichischen Dramatikers Johann Nestroy „Zu ebener Erde und erster Stock“. Dort wohnen  zwar die Reichen oben und die Armen unten. Die sozialen Unterschiede sind aber ebenso krass, wie das Qualitätsgefälle des Warenangebots zu ebener Erde und im ersten Stock im Grand Palais. Die Biennale-Organisatoren akzeptierten zwei, eigentlich drei, Händler-Kategorien. Denn auch einige Aussteller im Erdgeschoss verfügen nicht über das Topniveau, das die Kunden dieser Luxus-Veranstaltung seit 50 Jahren erwarten. Und das viele Antiquitätenhändler – und einige der vielen Topjuweliere, die die größten Stände aufgebaut haben, durchaus weiter halten.

Faszinierende Möbel

Bei den traditionellen Galerien für 18. und 19. Jahrhundert faszinieren weiterhin ausschweifendes, handwerklich bestens gefertigtes, oft königliches Mobiliar und Objets d’art aus Edelhölzern, mit reichen feuervergoldeten Bronzebeschlägen, die z.B. François Léage, Hervé Aaron und Benjamin Steinitz vor geschnitzten Wandverkleidungen präsentieren. Die Familie Kraemer entschied sich für dezente Grauwände für ihre monographische Offerte von zwanzig Möbelstücken von Jean-Henri Riesener, dem  Kunstschreiner von Ludwig XVI. und Marie-Antoinette. Die üppige Ästhetik des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit ihren Rokoko-Anklängen bzw. ihren geschwungenen Linien, die zum Jugendstil überführen, vertritt die Pariser Galerie Chadelaud. Dort steht ein als „Marine-Schrank“ bezeichnetes Prunkmöbel von François Linke mit außerordentlich reicher Bronze-Dekoration.

Erlesene Asiatica

Die weniger zahlreich als angekündigt angereisten chinesischen Milliardäre entdecken bei Christian Deydier eine sitzende Hofdame aus blauer Terrakotta aus der Zeit der Tang-Dynastie (618-907), deren Farbgebung  kaiserliche Provenienz indiziert. Deydier und seine Brüsseler Kollegin Gisèle Croes warten auch mit auf drei Beinen stehenden Bronze-Ritualgefäßen zum Wärmen von Wein auf, die aus dem 15. vorchristlichen Jahrhundert stammen.

Nur drei Stammeskunst-Galeristen, Bernard Dulon, Didier Claes und Bernard de Grunne stellen diesmal auf der „Biennale“ aus. Eine ursprünglich aus dem Berliner Museum für Völkerkunde und zuletzt in der Sammlung Michael Werner befindliche, hohe königliche Männerstatue aus dem Grasland (Kamerun) zählt zu Dulons Starobjekten. Claes brachte den Kopf einer Fang-Byeri Ahnen-Reliquien-Statue mit, sowie eine sitzende Fang-Byeri Ahnen-Statue mit Metallapplikationen, die 250.000 Euro bzw. 300.000 Euro kosten.

 

Bedeutende Kommode des Kunsttischlers Jean-Henri Riesener bei Kraemer. Quelle: Kraemer

Die Art-déco-Galerien Vallois, Marcilhac, Marcelpoil fahren hochqualitative Stücke in gepflegt-diskretem Ambiente auf. Besonders berührend sind bei Vallois der niedrige Bronzetisch von Armand-Albert Rateau oder die orange-rote runde Lackplatte von Eileen Gray.

Funkelnde Pracht

Erlesene moderne Gemälde und viele Skulpturen sieht man u.a. bei Krugier, wo Zeichnungen von Matisse und Picasso, sowie eine Skulptur von Germaine Richier den Blick anziehen. Tornabuoni hat eine Bronze-Skulptur von Mario Marini, „Guerriero“ von 1958, die mit 850.000 Euro angesetzt ist. Patrice Trigano trug gleich mehrere Blumengemälde von Séraphine de Senlis zusammen, die zwischen 220.000 und 700.000 Euro kosten. Die Galerie JGM konzentriert sich auf Claude Lalanne. Für ihre Krokodil-Sitzbank, die in einer Auflage von acht Exemplaren existiert, erwartet J.G. Mitterrand stolze 475.000 Euro. 

Benoit Sapiro (Galerie Le Minotaure) legt den Schwerpunkt auf Marc Chagall und André Lanskoy. Einen monographischen Ossip Zadkine-Stand offeriert die Pariser Galerie Fleury, die Skulpturen und rare Aquarelle versammelt. Allein auf die geschickt Kunstgeschichte und Gegenwart verknüpfenden Großformate von Manolo Valdès‘ ist die Präsentation bei Marlborough ausgerichtet. Dem Spanier geht es stets um haptische Oberflächen, um ein Spiel mit verschiedenen Ebenen.

Die Stände der Haute Joaillerie schwelgen naturgemäß in glitzernden neuen Spezial-Anfertigungen aus Diamanten und Edelsteinen. Siegelson aus New York hat dagegen ein historisches Schmuckangebot, das sich sehen lässt.  Es bleibt abzuwarten, ob sich der immense Aufwand im Vorfeld und die hohen Standkosten lohnen. Am Galaabend waren noch nicht viele Transaktionen zu vermelden.

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Date
: 13 septembre 2012

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